Donnerstag, 5. November 2009

Am Rande des Wahnsinns?

Neulich wurde mir in einem anderen Blog attestiert, dass meine Art SM auszuleben eine Flucht vor der Realität darstelle, die eine Stärke annimmt, die zum Wahnsinn tendiert. Mal davon abgesehen, dass die Zuschreibung von "Wahnsinn" immer auch eine Vorstellung davon voraussetzt, was denn "normal" ist: vermutlich gehört es zum Wesen des Wahnsinns, dass der Wahnsinnige selbst keine Kenntnis von seinem Wahn hat.

Meiner Überzeugung nach kommt man also mit Kategorien dieser Art kaum weiter, wenn es um die Beschreibung einer Beziehungssituation oder sexuellen Vorliebe geht. Ich vermute, dass die Beobachtung sehr individueller Attribute wie "Glück" viel hilfreicher ist. Der "Wahnsinnige" wäre dann der, der in einer Beziehung verweilt, auch wenn er damit über einen längeren Zeitraum unglücklich ist.

So versuche ich mir gelegentlich aufs Neue die Frage zu beantworten, ob ich glücklich bin. Eine nicht immer ganz leicht zu beantwortende Frage, da sie extrem davon abhängig zu sein scheint, in wie fern meine Gebieterin sich im erotischen Sinne für mich interessiert.

Was mir an dieser Diagnose missfällt ist, dass ich die Chance zu meinem Glück folglich nicht selbst in der Hand habe - zumindest dann nicht, wenn man die begrenzten Optionen, andere Menschen für sich zu begeistern nicht weiter verstärken kann ohne sich zu verreiben...

Ist das lediglich die Erkenntnis, dass es beim Streben nach Glück nur darum geht, die "richtige Einstellung" zum ohnehin außerhalb des eigenen Einflussbereichs stehenden Fatum zu finden? Oder ist es doch der eingangs angesprochene "Wahnsinn", in einer Situation des Unglücks zu verweilen, anstatt - wie es so schön heißt - "sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen"?